Anno dazumal fuhr die Buslinie 9 ab Ecke John-Schehr-Straße über die Bötzowstraße, Alexanderplatz und Französische Straße bis Friedrichstraße / Unter den Linden. Das Rumpeln der schweren
„Ikarus-Busse“ ließ Kaffeetassen mindestens bis in den zweiten Stock der alten Häuser erbeben. Aber relativ schnell nach der Berliner Wiedervereinigung wurde der Bus durch die Bötzowstraße
eingestellt und vor etwa zehn Jahren ordnete man die einstige Hauptstraße ins Zone-30-System des Viertels mit ein und änderte auch die Parkordnung. Ursprünglich wurde auf beiden Fahrbahnseiten
parallel zur Fahrtrichtung geparkt, nun stehen auf einer Straßenseite die Autos quer zur Fahrbahn. Dadurch erschuf man viel mehr Parkflächen und beruhigte den Verkehr sehr. Für Lieferfahrzeuge
ist die Bötzowstraße dadurch extrem eng geworden. Ein weiterer Grund für diese Enge ist sicherlich, dass die Pkws selbst breiter geworden sind. Wobei ich mich dann jedes Mal frage, wozu man in
einer Stadt unbedingt einen fetten Offroader braucht. So schlecht sind die Straßen Berlins doch bei Weitem noch nicht.
Fast schon ulkig ist die riesige Baustelle in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße. In Höhe des Sportplatzes sind die Bäume auf beiden Straßenseiten eingehaust, der Fußweg auf einer Seite gar ganz
gesperrt. Gebaut werden soll dort eine „Querungshilfe“. Ist die da wirklich nötig? Bauzeit sollte übrigens Oktober bis Dezember 2012 sein. Fertig sieht anders aus. Vielleicht hätte man dann dort
doch eher einen Tunnel bauen sollen … illegale Tunnelbauten gibt’s doch schnell mal in Berlin. Auch direkt vor der Hausnummer 11, ist der Fußweg aufgerissen.
Auf der Brache gegenüber dem Sportplatz, dort wo nun die „Querungshilfe“ gebaut worden sein soll, hängen fröhlich winkende Fähnchen einer Kita! Sollten dort und auf den angrenzenden Garagenhöfen
nicht mal eine neue Sporthalle hin?
Für die, die sie nicht kennen, habe ich mal als geheimen Erkundungstipp: die Hans-Otto-Straße. In Höhe des Stierbrunnens hat sie eine „Ausstülpung“ durch die man zu einer Kita, an der gerade
gebaut wird, aber auch von hinten an die Häuser des angrenzenden Karrees kommt.
Aprospos Stierbrunnen: Auf dem Arnswalder Platz finet jeden Samstag 9 bis 15 Uhr der Bötzwomarkt statt. Hier gibt es „hochqualitative und ökologisch einwandfreie Lebensmittel in einem herzlichen
und sonnigem Umfeld“, so die Selbstauskunft.
Ungeachtet jeder aufgehobenen Hauptstraßenregelung ist die Bötzowstraße eine Einkaufsstraße mit vielen kleinen Läden geblieben. Der einzige Supermarkt der Gegend ist in der Pasteurstraße zur
Greifswalder Straße hin. Selbst die Pasteurstraßen-Ladenzeile kurz vor „Am Friedrichshain“ ist mittlerweile durch Kleingewerbe belegt. Von dort kommt man zu Fuß ganz prima durch die Wohnblöcke
hindurch bis zur Liselotte-Herrmann-Straße.
An der Einmündung Hufelandstraße / Am Friedrichshain sind die metallenen Sperrgitter entfernt. Zur Querung der Hauptstraße wurden sowohl dort, als auch an der Einmündung zur
Käthe-Niederkirchner-Straße in den letzten Monaten neue Fußgängerinseln gebaut, die an der Seite zum Volkspark gelegenen Bushaltestellen sind bis an die Fahrbahnkante heran gezogen und
behindertengerecht neu gebaut worden.
Endlich gibt es Am Friedrichshain nun auch einen Radweg in beide Fahrtrichtungen auf der gesamten Länge der Straße.
Noch nie aufgefallen ist mir bisher die gigantische Fassade der Hufelandstr. 44. Wenn man vor dem Haus steht, erschlägt sie einen regelrecht. Die Beletage hat wuchtige Balkone, hoch aufragende
Säulen, und die ganze Fassade zeugt vom einstigen Reichtum seiner Besitzer.
An der Hufelandstraße / Hans-Otto-Straße standen einst Garagen. Vor einigen Jahren wollte man das Eck mit Wohnungen bebauen, aber die Anwohner wehrten sich, wie man sieht, erfolgreich und so gibt
es nun einen schönen, großen Spielplatz.
Auf einem relativ langen Stück des Fußweges an der Hufeland- / Bötzowstraße, direkt vor dem Waschhaus, hat die Deutsche Bahn ihre Mietfahrräder aufgestellt. Ist also die Bötzowstraße doch nicht
ganz vom öffentlichen Personennahverkehr abgekoppelt.
Das Eckgrundstück Bötzowstraße / Käthe-Niederkirchner-Straße ist noch immer ein Spielplatz. Witzig ist der alte Schriftzug „Fleischerei“ an einem Haus in der Käthe-Niederkirchner-Straße zum
Friedrichshain hin. Unter den Efeuranken ist noch gut die typische „DDR-Fleischer“ gekachelte Fassade zu erkennen.
Eine Ecke weiter, Am Friedrichshain / Bötzowstraße, ist die ehemalige Verkehrsinsel verschwunden. Die uralte Bötzoweiche können die Rentner der anliegenden Seniorenstätte nun ohne
Straßenüberquerung erreichen, weil man in langer, sehr, sehr langer Bautätigkeit die gesamte Straßenecke umbaute und verkehrstechnisch entschärfte.
Kurz hinter dem Filmtheater, da wo es einen Abzweig der Straße Am Friedrichshain zu den „Huss-Medien“ hin gibt, ist aus einem Seniorenheim nun ein schickes „Residenz-Hotel“ geworden.
Interessant ist vielleicht noch, dass dieser Durchgang vom „Residenz-Hotel“ an dem Mediengebäude und an den Wohnblocks aus den 50er-Jahren und auch an der hinteren Front der Schule vorbei zur
Greifswalder Straße hindurch noch immer existiert. Im Gegenteil hat die „Kurt-Schwitters-Oberschule“ einen neuen Hintereingang mit einem extra umzäunten Fahrradabstellhof bekommen.
Und wo war da nun die Bötzowbrauerei? Deren Reste befinden sich auf dem Hügel Prenzlauer Allee / Saarbrücker Straße.
✒ Rolf Gänsrich (Feb 2013)